Der Bologna-Prozess hat die europäische Hochschullandschaft stark verändert. Nicht nur die Studienabschlüsse heißen heute anders als noch vor einigen Jahren, auch Studienstruktur und Studieninhalte wurden einer grundlegenden Reform unterzogen. Verlassen Sie sich in Sachen Studium also besser nicht auf die Erfahrungsberichte Ihrer Eltern, Lehrer oder älteren Geschwister, sondern recherchieren Sie die nötigen Informationen selbst – am besten direkt bei den Hochschulen.
Bologna-Prozess
Eingeläutet wurde der Bologna-Prozess im Jahr 1999 auf einem Treffen der Kultusminister von 29 europäischen Staaten im italienischen Bologna. Man einigte sich darauf, einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen, um die Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern in Europa zu erhöhen. Dies konnte nur mit der Einführung neuer Studienstrukturen gelingen, die dafür sorgen, dass die Hochschulbildung der Länder vergleichbar wird und wechselseitig nachvollziehbar ist. Konkret sollten bis zum Jahr 2010 in allen Unterzeichner-Staaten gestufte („konsekutive”) Studienabschlüsse, modularisierte Studiengänge und ein System mit Credits (Leistungspunkten) nach dem Modell des European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) eingeführt werden. Auf weiteren Treffen tauschten sich die Minister in den folgenden Jahren über die Umsetzung ihres Beschlusses aus, zogen Zwischenbilanzen und brachten den Reformprozess durch weitere Beschlüsse und Zielvorgaben voran. Obwohl wir das Jahr 2010 mittlerweile hinter uns gelassen haben, wird noch einige Zeit vergehen, bis der Bologna-Prozess abgeschlossen ist, zumal sich die Zahl der beteiligten Staaten mittlerweile auf 47 erhöht hat. Das nächste Treffen der Minister wird im Jahr 2012 stattfinden.
Bachelor- und Masterstudiengänge
Im Zuge des Bologna-Prozesses wurden die bisherigen Magister- und Diplomstudiengänge weitestgehend durch eine gestufte Studienstruktur in Form von Bachelor- und Masterstudiengängen ersetzt. Bachelorstudiengänge führen meist nach sechs, manchmal auch nach sieben, spätestens jedoch nach acht Semestern zu einem ersten Hochschulabschluss. Danach können die Absolventinnen und Absolventen in das Berufsleben einsteigen oder das Studium mit einem Masterstudiengang fortsetzen. Auch besteht die Möglichkeit, zunächst berufstätig zu sein und erst später einen Masterstudiengang zu absolvieren. Masterstudiengänge dauern zwei, drei oder vier Semester und setzen stets einen ersten Hochschulabschluss voraus. Um zu gewährleisten, dass bei den zahlreichen neuen Studiengängen bestimmte Mindeststandards eingehalten werden, kümmern sich spezielle Agenturen um die Akkreditierung der Studiengänge.
Sonstige Studiengänge
Vereinzelt gibt es zwar noch Diplomstudiengänge in Deutschland, diese laufen jedoch ebenso aus wie sämtliche Magisterstudiengänge. Beide Studiengangsarten werden deshalb in absehbarer Zeit aus der Hochschullandschaft verschwunden sein. Nach wie vor präsent sind dagegen Staatsexamensstudiengänge in den Fächern Medizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Pharmazie und Lebensmittelchemie. Das Lehramtsstudium, das bislang ebenfalls mit dem Staatsexamen endete, wurde in Berlin und Brandenburg auf das neue Studiensystem umgestellt, wobei der Masterabschluss mit dem Ersten Staatsexamen gleichgestellt wird. Beim klassischen Jurastudium gibt es je nach Hochschulstandort noch die herkömmliche oder bereits eine modularisierte Studienstruktur. Das Abschlussziel ist jedoch in beiden Fällen die Erste juristische Prüfung, eine Mischform aus staatlicher und universitärer Prüfung, auf die nach dem Vorbereitungsdienst wie bei der Lehramtsausbildung die berufsbefähigende Zweite Staatsprüfung folgt.
Besondere Studienformen
Normalerweise studieren Sie in Vollzeit vor Ort an Ihrer Hochschule. Aber auch andere Studienformen sind möglich. So können manche Studiengänge auch (oder nur) als Teilzeitstudium oder Fernstudium absolviert werden. Beim Teilzeitstudium wird der Unterrichtsstoff auf einen längeren Zeitraum verteilt, sodass die zeitliche Belastung in der Woche bzw. im Semester geringer ist. Beim Fernstudium sind Sie räumlich ungebunden und können sich zugleich Ihre Zeit frei einteilen. Eine weitere besondere Form des Studiums ist das duale Studium. Hier werden Sie parallel zum Studium in einem Betrieb oder einer sonstigen Einrichtung ausgebildet.
Ausgewählte Links
Der Bologna-Prozess (Bundesministerium für Bildung und Forschung)
Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen (Kultusministerkonferenz, Februar 2010, PDF, 42 KB)
Akkreditierungsrat
Lehramt in Berlin und Brandenburg (Studieren in Berlin und Brandenburg)
Studiengänge und Studienformen (Bundesagentur für Arbeit)
Fernstudium (Deutsche Länder und Bundesagentur für Arbeit)





