- Perspektive Zukunft: Lehrerin oder Lehrer werden in Berlin und Brandenburg
- Erwünscht: Eignung und Begeisterung
- Studienort und Fächerwahl
- Bachelor, Master und Vorbereitungsdienst
- Erfolgreich bewerben
- Einstellungschancen
Fünf Universitäten in Berlin und Brandenburg bieten die Möglichkeit, sich in geeigneten Studiengängen auf den Beruf der Lehrerin oder des Lehrers vorzubereiten. Weil das „Studienziel Lehramt“ nur an Universitäten verfolgt werden kann, ist für die Studienaufnahme die allgemeine oder eine fachgebundene Hochschulreife nötig – eine Fachhochschulreife reicht nicht aus. In beiden Ländern gibt es außerdem Regelungen, die auch Bewerberinnen und Bewerbern ohne Abitur, aber mit beruflichen Qualifikationen ein lehramtsbezogenes Studium ermöglichen.
Erwünscht: Eignung und Begeisterung
Von Lehrerinnen und Lehrern wird viel erwartet – was sollen sie nicht alles können: Verständlich und spannend unterrichten, richtig analysieren und bewerten, gut planen und organisieren, mit unterschiedlichen Menschen und vielerlei Konfliktsituationen umgehen – und bei alledem belastbar, flexibel und kooperationsfähig sein. Das ist gewiss nicht einfach und kann abschreckend wirken, aber das Lehramt ist auch kein Studienziel, das sich als Verlegenheitslösung eignet, wenn man unsicher ist, ob und was man überhaupt studieren soll.
Die meisten Lehrerinnen und Lehrer haben im Beruf zwar eine gewisse Freiheit der Zeiteinteilung, aber dafür auch viel Arbeit. Allerdings ist diese Arbeit niemals langweilig: Jeden Tag mit jungen Menschen zusammen zu sein und ihre Entwicklung zu begleiten, kann ebensoviel Freude machen wie die Klasse für das eigene Unterrichtsfach zu begeistern und den Unterricht immer wieder anders zu gestalten. Der Beruf bietet viele Möglichkeiten, kreativ zu sein, und die pädagogische Arbeit vermittelt das Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles zu tun. Jedoch lernen Lehrerinnen und Lehrer nicht alles, was sie wissen und können müssen, während der Ausbildung. Manches bringen sie aufgrund ihrer individuellen Lebensgeschichte mit, anderes ergibt sich später mit der Berufserfahrung und aus vielfältiger Fortbildung.
Im Studium geht es zunächst vor allem um die Inhalte der gewählten Fachwissenschaften, während deren Vermittlung in der Schule pädagogisch und organisatorisch geprägt ist. Dort beschränken sich die Aufgaben nicht auf Unterricht, Korrekturen und Zensuren. Auch der Umgang mit schwierigen Situationen in der Klasse oder auf dem Schulhof sowie die Arbeit mit Eltern und im Team der Kolleginnen und Kollegen gehören zum Alltag. Lehrerinnen und Lehrer müssen pädagogische Generalisten sein, die praxisgerechte professionelle Antworten auf unterschiedliche und oft ungewohnte Herausforderungen finden. Deshalb brauchen sie permanente Fortbildung, auch und gerade in Bereichen, die nicht Bestandteile des Studiums waren.
Vor der Entscheidung, Lehrerin oder Lehrer zu werden, sollte man in Ruhe abwägen, ob die eigenen Interessen und Fähigkeiten und die vielfältigen schulpädagogischen, fachdidaktischen, diagnostischen, beratenden und organisatorischen Aufgaben in Schule und Unterricht zusammenpassen. Unterstützung bei der Entscheidungsfindung bieten die Studienberatungsstellen und die Servicezentren für Lehrerbildung der Universitäten.
Das Land Berlin hat ein besonderes Interesse daran, leistungsstarke Abiturientinnen und Abiturienten mit Migrationshintergrund für eine Tätigkeit im Schuldienst zu gewinnen. Deshalb wurde ein Netzwerk ins Leben gerufen, das jungen Menschen dieser Gruppe, die sich für ein lehramtsbezogenes Studium entschieden haben, Unterstützung im Studienverlauf geben will.
Das Lehramtsstudium besteht im Wesentlichen aus den Fächern, die später an der Schule unterrichtet werden sollen. Im Land Berlin teilen sich alle vier Universitäten das lehramtsbezogene Fächerangebot: die Freie Universität Berlin (FU), die Humboldt-Universität zu Berlin (HU), die Technische Universität Berlin (TU) und die Universität der Künste Berlin (UdK). Während FU und HU über ein breites Spektrum von Lehramtsfächern verfügen, das größtenteils deckungsgleich ist, bietet die TU Arbeitslehre und berufliche Fachrichtungen und die UdK künstlerische Fächer an, die jeweils mit einem Zweitfach an einer anderen Universität kombiniert werden müssen. Man studiert also, wenn die Fächerkombination es erfordert, parallel an zwei Hochschulen. Werden beide Fächer aber von derselben Universität angeboten, ist das „Splitten“ des Studiums nicht gestattet.
Im Land Brandenburg findet das Studium ausschließlich an der Universität Potsdam (UP) statt. Länderübergreifende Kombinationen mit lehramtsbezogenen Fächern der Berliner Universitäten sind nur bei den Kernfächern Bildende Kunst und Musik an der UdK möglich: Hier kann aufgrund einer speziellen interuniversitären Vereinbarung das Zweitfach auch an der Universität Potsdam gewählt werden.
Welche Fächer man studiert und später unterrichtet, ist vor allem eine Frage der persönlichen Interessen.Für ein Fach, das man langweilig findet, wird man später schwerlich eine Schulklasse begeistern können. Die Wahl der Fächerkombination kann auch Einfluss darauf haben, an welcher Schulart und in welchen Klassenstufen man später unterrichten darf (z. B. Grundschule oder Gymnasium). Vor der Bewerbung für ein Bachelorstudium sollte man sich deshalb angesichts der vielfältigen Studienmöglichkeiten vor allem in Berlin genau vergewissern, ob die gewünschte Kombination später in einem Masterstudiengang fortgesetzt werden kann, der für das angestrebte Lehramt qualifiziert. Kombinationsmöglichkeiten und -verbote können sich je nach Land, Universität und Lehramt auch bei gleichen Fächern unterscheiden.
Ab dem Wintersemester 2010/2011 gelten für bestimmte Fächerkombinationen zusätzliche Einschränkungen: In Berlin dürfen Deutsch, Geschichte und Sozialkunde derzeit nicht miteinander kombiniert werden.
Bachelor, Master und Vorbereitungsdienst
In den Ländern Berlin und Brandenburg ist die Lehramtsausbildung im Rahmen der europaweiten Studienreform, die als Bologna-Prozess bekannt ist, schon 2004/2005 auf die zweistufige Studienstruktur mit den Abschlüssen Bachelor und Master umgestellt worden.
In beiden Ländern folgt auf ein stets sechssemestriges lehramtsbezogenes Bachelorstudium ein konsekutiver Masterstudiengang in derselben Fächerkombination. Dieser umfasst je nach Land und Lehramt zwei, drei bzw. vier Semester und schließt mit dem Master of Education ab. Dieser Abschluss wird von der zuständigen Landesbehörde der früheren Ersten Staatsprüfung gleichgestellt. Am Ende der Lehramtsausbildung steht ein 12- bis 24-monatiger Vorbereitungsdienst, dessen Abschluss, die Zweite Staatsprüfung, die eigentliche Formalqualifikation für die Einstellung als Lehrerin bzw. Lehrer an öffentlichen Schulen darstellt.
Lehramtsbezogene Bachelorstudiengänge beginnen ausschließlich zum Wintersemester. Sie bestehen aus zwei (an der UP ggf. aus drei) Fächern, die von lehramtsbezogenen Berufswissenschaften ergänzt werden. Zu diesen Berufswissenschaften können vor allem Erziehungswissenschaften und Fachdidaktik einschließlich mehrerer Schulpraktika zählen. In den erziehungswissenschaftlichen Lehrveranstaltungen geht es z. B. um Grundfragen von Erziehung, Bildung und Schule und um das Lernen und Lehren im sozialen Kontext. Auch Psychologie, sonderpädagogisches Grundwissen oder Deutsch als Zweitsprache können zum berufswissenschaftlichen Themenkanon gehören. In den Fachdidaktiken lernen die Studierenden, was sie in Schulpraktika und später im Vorbereitungsdienst praktisch üben: wie der Unterricht im jeweiligen Fach am besten geplant, durchgeführt und schließlich ausgewertet werden kann.
Der Umfang der Studienleistungen in Bachelor- und Masterstudiengängen wird anders als früher nicht in Semesterwochenstunden, sondern in Credits bzw. Leistungs- oder Studienpunkten nach dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) angegeben. Der Studienerfolg dagegen wird wie zuvor mit Noten bewertet, die – gewichtet nach dem Umfang der jeweiligen Studienleistungen – von Studienbeginn an in die Berechnung der Abschlussnote einfließen. Die studentische Arbeitsleistung pro Semester wird mit 30 Credits veranschlagt, wobei ein Credit einem Studienaufwand von 25 bis 30 Zeitstunden entspricht.
Trotz vieler Gemeinsamkeiten unterscheiden sich Studienorganisation und -inhalte je nach Hochschule. Im Land Brandenburg gelten darüber hinaus für die Lehrerbildung andere gesetzliche Bestimmungen als im Land Berlin. Wichtige Elemente der Bachelor- und Masterstudiengänge können an jeder Universität anders heißen. So werden z. B. ECTS-Credits außer an der HU („Studienpunkte“) als Leistungspunkte bezeichnet, und die FU nennt Zweitfächer „Modulangebote“.
Der Bachelorabschluss qualifiziert zwar noch nicht für eine Tätigkeit als Lehrerin oder Lehrer – dafür muss erst der Master of Education erworben und danach der Vorbereitungsdienst absolviert werden. Man kann damit aber auch auf anderen Berufsfeldern tätig werden oder sich für geeignete nicht lehramtsbezogene Masterstudiengänge bewerben. Die eigentliche Entscheidung für das Berufsziel Lehramt fällt mit der Bewerbung bzw. Immatrikulation für einen lehramtsbezogenen Masterstudiengang. Die schulpraktischen Erfahrungen im Bachelorstudium sind eine gute Gelegenheit, den Berufswunsch zu testen.
Für Bachelor- und Masterstudiengänge gelten jeweils eigene Zugangs- und Zulassungsvoraussetzungen. Bei Bachelorstudiengängen lassen die Universitäten meist für jedes Fach getrennt zu. Lehramtsbezogene Fächer, für die sich erfahrungsgemäß mehr Bewerberinnen und Bewerber melden als Studienplätze zu besetzen sind, unterliegen einer Zulassungsbeschränkung. Dabei sind die Zulassungschancen für einige der so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) recht gut; mancherorts ist das eine oder andere Fach dieses Spektrums sogar zulassungsfrei.
Vorrangiges Auswahlkriterium für die Zulassung zum Bachelorstudium ist die Abiturdurchschnittsnote. Hinzu kommen an einigen Hochschulen bestimmte fachspezifische Kriterien (z. B. Leistungskursnoten). Die Wartezeit, d. h. alle Halbjahre, die man seit dem Abitur verbracht hat, ohne in Deutschland für ein Studium immatrikuliert zu sein, wird von den meisten Hochschulen nur noch bei einem Fünftel der Studienplätze als Auswahlkriterium herangezogen. Sie kann deshalb bei begehrten Fächern mehrere Jahre betragen. Einige Hochschulen veröffentlichen die Ergebnisse des letzten Auswahlverfahrens auf ihren Webseiten. Für bestimmte Studienfächer muss man spätestens zur Immatrikulation bestimmte Vorkenntnisse nachweisen oder – manchmal schon vor Einreichung der Bewerbung – eine Eignungsprüfung ablegen.
Wegen der hohen überregionalen Bewerbernachfrage müssen erfahrungsgemäß vor allem viele Berliner Abiturientinnen und Abiturienten auf ein lehramtsbezogenes Studium in anderen deutschen Ländern ausweichen. Wer sich mit einem auswärtigen Bachelorabschluss in Berlin oder Brandenburg für einen Master of Education bewerben bzw. immatrikulieren will, muss davon ausgehen, dass zunächst überprüft wird, inwieweit das auswärtige Bachelorstudium mit den Berliner bzw. Brandenburger Regelungen kompatibel ist. Dagegen ist die wechselseitige Anerkennung des Master of Education, sofern er von der zuständigen Landesbehörde der Ersten Staatsprüfung gleichgestellt worden ist, zwischen den Ländern gesichert: Damit kann man sich bundesweit für den Vorbereitungsdienst bewerben, wobei es natürlich darauf ankommt, für welche Fächer und für welche Schulart in den einzelnen Ländern gerade Bedarf besteht.
Die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen hat die Gesamtdauer der Lehramtsausbildung kaum verkürzt. Es dauert je nach Lehramt und Land mindestens fünf Jahre, bis sie abgeschlossen und eine Bewerbung für den Schuldienst möglich ist. Wenn also heute ein akuter Mangel an Lehrerinnen und Lehrern in bestimmten Fächern festgestellt wird, bedeutet das nicht, dass man in diesen Fächern mehr als ein halbes Jahrzehnt später immer noch gute Einstellungschancen hat. Dass sich die Berufsaussichten von Lehrerinnen und Lehrern nicht vorausberechnen lassen, liegt außerdem daran, dass im Gegensatz zur demografischen Entwicklung nicht absehbar ist, wie viel Geld die zuständige Landespolitik zu welchem Zeitpunkt für ihre Schulen bereitstellt.
Dennoch lassen sich einige Tendenzaussagen treffen: Die heutige Altersstruktur der Lehrerschaft macht flächendeckende Neueinstellungen während des kommenden Jahrzehnts sehr wahrscheinlich. Weil dabei aber mit großen Unterschieden hinsichtlich der Unterrichtsfächer und der Schularten zu rechnen ist, kann sich der Einstellungsbedarf je nach Land deutlich unterscheiden.
Im Land Berlin werden neu eingestellte Lehrerinnen und Lehrer nur noch im Angestelltenverhältnis beschäftigt; im Land Brandenburg werden sie dagegen weiterhin verbeamtet.





