- Von der Schule an die Hochschule in Berlin und Brandenburg
- Studiengänge und Studienabschlüsse
- Bachelorstudium
- Das richtige Studium
- Die beste Hochschule
- Numerus clausus und Zulassung
- Besondere Zugangsvoraussetzungen
- Studienplatzchancen
- Studienkosten
- Studienstart
Das Studienangebot der öffentlichen Universitäten, Fachhochschulen und künstlerischen Hochschulen in Berlin und Brandenburg ist außergewöhnlich vielfältig. Kaum ein Fach, das an einer Hochschule der Region nicht vertreten wäre – viele Studienangebote sind sogar einzigartig in ganz Deutschland. Insgesamt stehen den Studienanfängerinnen und Studienanfängern in Berlin und Brandenburg fast 600 grundständige Studiengänge offen. In diesem Beitrag wollen wir Ihnen die wichtigsten Informationen und Tipps für den Weg von der Schule an die Hochschule geben.
Studiengänge und Studienabschlüsse
Als grundständige Studiengänge werden in Berlin und Brandenburg mit wenigen Ausnahmen nur Bachelorstudiengänge angeboten. Die genauen Bezeichnungen der Abschlüsse hängen vom Studieninhalt ab: Für die meisten Geistes- und Sozialwissenschaften ist der Bachelor of Arts üblich, den Bachelor of Science gibt es dagegen nicht nur für Psychologie oder Wirtschaftswissenschaften, sondern auch für Mathematik, Informatik und Natur- und Ingenieurwissenschaften, während vor allem Fachhochschulen für Ingenieurabschlüsse meist den Bachelor of Engineering verleihen. Der Bachelor of Laws ist für einige juristisch orientierte Studiengänge und der Bachelor of Education für die Lehramtsstudiengänge in Brandenburg vorgesehen. In vielen künstlerischen Studiengängen werden der Bachelor of Music oder der Bachelor of Fine Arts vergeben. Daneben werden aber auch noch die bundesweit geregelten Studiengänge Medizin, Zahnheilkunde, Veterinärmedizin und Pharmazie mit dem Abschluss Staatsexamen angeboten. Einen Sonderfall stellt das Studium der Rechtswissenschaft dar. Es endet mit der Ersten juristischen Prüfung, auf die nach einem zweijährigen Vorbereitungsdienst die Zweite Staatsprüfung folgt.
Der Bachelorabschluss als erster formal berufsqualifizierender Hochschulabschluss ist je nach Prüfungsordnung nach sechs, sieben oder acht Semestern erreichbar. Nach dem Studienabschluss können Sie sowohl unmittelbar in den Arbeitsmarkt einsteigen als auch ein Masterstudium aufnehmen. Masterstudiengänge dauern zwischen zwei und vier Semester. Die Aufnahme eines Masterstudiums kann auch dazu genutzt werden, an eine andere deutsche oder ausländische Hochschule zu wechseln oder die fachlichen Akzente noch einmal zu verschieben. Das Masterstudium muss nicht unmittelbar an das Bachelorstudium anschließen, sondern kann auch nach einer ersten Phase der Berufstätigkeit begonnen werden.
Wesentliches Merkmal der Bachelorstudiengänge ist, dass vom ersten Semester an studienbegleitende Prüfungen stattfinden, deren Noten in die Abschlussnote eingehen – ein Prüfungsmarathon zum Studienabschluss bleibt den Studierenden also erspart. Die Studiengänge setzen sich aus Modulen zusammen, die meist aus mehreren Lehrveranstaltungen zu einem gemeinsamen Oberthema bestehen. Für ein erfolgreich absolviertes Modul gibt es neben einer Note auch Credits (cr) nach dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS). Credits werden von den Hochschulen auch als ECTS-Punkte, Leistungspunkte oder Studienpunkte bezeichnet. Der Arbeitsaufwand (workload) für das Studium eines Semesters wird in der Regel mit etwa 30 cr veranschlagt. Ein Credit steht dabei meist für 25 bis 30 Zeitstunden, die für das Studium aufgewandt werden. Pro Semester investieren Sie also 750 bis 900 Studienstunden in Lehrveranstaltungen, in der Bibliothek oder für die Prüfungsvorbereitung. Bachelorstudiengänge an Universitäten sind meist auf sechs Semes-ter (180 cr) ausgelegt; wenn während des Studiums längere verpflichtende Praxisphasen vorgesehen sind, dauern Bachelorstudiengänge an Fachhochschulen oft sieben Semester und umfassen 210 cr.
An den Universitäten gibt es zwei Typen von Bachelorstudiengängen: Mono-Bachelorstudiengänge bestehen hauptsächlich aus nur einem Fach; manchmal kommen kleinere Beifächerhinzu, für die aber nicht gesondert immatrikuliert wird. Hinzu kommt noch ein für alle Bachelorstudiengänge obligatorischer Studienanteil, der Berufswissenschaften oder Schlüsselquali-fikationen im Umfang von 30 bzw. 40 cr umfasst. Kombinations-Bachelorstudiengänge setzen sich dagegen aus einem Erst- bzw. Kernfach, einem Zweitfach oder zwei Nebenfächern bzw. „Modulangeboten“ sowie dem schon erwähnten berufsbezogenen Studienanteil zusammen. Bei der Kombination der Fächer haben die Studierenden meist große Freiheiten. Die Fachhochschulen bieten dagegen ausschließlich Mono-Bachelorstudiengänge an.
Das vielfältige Studienangebot in Berlin und Brandenburg macht die individuelle Studienwahl nicht gerade einfach. Zudem bieten die Hochschulen eine Reihe ähnlicher Fächer mit unterschiedlichen Akzentsetzungen und Namen an, denn sie haben in den vergangenen Jahren ihr jeweiliges Profil geschärft und dabei mehr auf Unterschiede statt auf Gemeinsamkeiten gesetzt. So kommt es, dass es Studiengänge gibt, die trotz anderer Bezeichnung inhaltlich identisch sind. In anderen Fällen haben die Studiengänge denselben oder einen ähnlichen Namen, sind aber inhaltlich ganz verschieden. Wenn Sie studieren wollen, kommen Sie deshalb nicht daran vorbei, sich vorher mit den Inhalten und Anforderungen der Sie interessierenden Studiengänge intensiv zu beschäftigen. Ausführliche Beschreibungen finden sich fast immer auf den Webseiten der Hochschulen.
Welche Kriterien sind für die Studienfachwahl wichtig? Oft ist zu hören, dass die beruflichen Chancen eine bedeutende Rolle spielen müssten. Wer ein Fach aber nur deshalb wählt, weil es mutmaßlich sichere Karrierechancen bietet, stolpert möglicherweise im Studium über zu geringes Fachinteresse, zu schwache Motivation und zu wenig Durchhaltevermögen. Selbst hervorragende Berufsaussichten für Lehrerinnen und Lehrer sprechen nicht für ein lehramtsbezogenes Studium, wenn Sie sich nicht vorstellen können, mit Engagement vor eine Klasse zu treten. Von zentraler Bedeutung bei der Studienwahl sollten vielmehr Ihre persönlichen Interessen und Fähigkeiten sein. Ihre Aufgabe besteht darin, ein Studienfach zu finden, für das Sie sich inhaltlich begeistern können und das Sie sich gleichzeitig auch zutrauen. Hilfreich ist dabei neben der frühzeitigen Recherche von Studieninhalten der Besuch von Studieninformationstagen an den Hochschulen. Oft gibt es für Schülerinnen und Schüler auch die Möglichkeit, im Rahmen eines Probestudiums einige reguläre Lehrveranstaltungen zu besuchen. Darüber hinaus bieten die Studienberatungsstellen der Hochschulen individuelle Unterstützung bei der Studienfachwahl an.
Manchmal sagen Schülerinnen und Schüler, dass sie gern an der „besten“ Hochschule studieren möchten. Aber welche Hochschule ist eigentlich die beste? Diejenige, die im letzten Ranking gut abgeschnitten hat? Die kleinere, weil man dort nicht in der Masse untergeht? Die nächstgelegene, weil sie von zu Hause aus in ein paar Minuten erreichbar ist? Diejenige, die Fächer anbietet, die keine andere Hochschule hat? Oder die, bei der auch Bewerbungen mit mittelmäßigem Notenschnitt noch eine Zulassungschance haben?
Es ist schnell zu sehen: Die „beste“ Hochschule gibt es nicht, sondern nur Hochschulen, die zu Ihren Wünschen und Interessen passen. Weil manche Fächer nur von Universitäten, andere Fächer nur von Fachhochschulen oder von künstlerischen Hochschulen angeboten werden, hat bereits die Studienfachwahl einen erheblichen Einfluss auf die Auswahlmöglichkeiten. Einschränkungen können sich auch dadurch ergeben, dass die Fachhochschulreife das Studium an Universitäten ausschließt. Wenn Sie eine Fachhochschulreife haben, können Sie in Berlin und Brandenburg an Fachhochschulen (die sich oftmals „Hochschulen“ nennen) studieren, nicht jedoch an Universitäten. Haben Sie sich dagegen für ein Fach entschieden, das sowohl von Universitäten als auch von Fachhochschulen angeboten wird, und gilt Ihre Hochschulreife für beide Hochschultypen, sollten Sie die Unterschiede kennen: Die Studiengänge der Universitäten sind stärker grundlagen- und forschungsorientiert, die der Fachhochschulen eher anwendungsorientiert. Trotzdem sind die Bachelorabschlüsse beider Hochschultypen sowie der künstlerischen Hochschulen aber gleichwertig. Mit dem Bachelorabschluss einer Fachhochschule können Sie sich für einen geeigneten universitären Masterstudiengang ebenso bewerben wie umgekehrt mit dem Bachelorabschluss einer Universität für einen Masterstudiengang an der Fachhochschule.
Die meisten Studiengänge an den Berliner und Brandenburger Hochschulen sind zulassungsbeschränkt, unterliegen also einem Numerus clausus (NC). Für diese Studiengänge müssen Sie sich form- und fristgerecht bewerben. Bewerbungsschluss für das Wintersemester ist in der Regel der 15. Juli. An manchen Hochschulen gilt für „Altabiturienten“ – das sind alle Bewerberinnen und Bewerber, die vor dem 15. Januar des jeweiligen Jahres die Hochschulreife erworben haben – als Bewerbungsschluss der 31. Mai. Für Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung können Sie sich dagegen innerhalb bestimmter Fristen ohne vorherige Bewerbung immatrikulieren. Auch wenn Sie feststellen, dass alle Sie interessierenden Studiengänge mit einem Numerus clausus belegt sind, besteht kein Grund zur Panik: Dies bedeutet nämlich zunächst nur, dass für den jeweiligen Studiengang eine Höchstzahl von Studienplätzen festgelegt wurde, nicht etwa Mindestnoten oder -wartezeiten. Erst wenn für den jeweiligen Studiengang deutlich mehr Bewerbungen eingehen als Plätze vorhanden sind, greifen die entsprechenden Zulassungsregelungen und es kann zu Ablehnungen kommen.
Bei NC-Studiengängen wird zuerst in so genannten Vorabquoten zugelassen, die es z.B. für ausländische Staatsangehörige, Härtefälle und Zweitstudienbewerbungen gibt. Nach den Vorabquoten kommen an vielen Hochschulen in einer weiteren Quote die Abiturbesten zum Zuge. Die größte Quote ist aber meist die so genannte Hochschulquote. Zwar dürfen die Hochschulen über einige besondere Vergabekriterien innerhalb dieser Quote selbst entscheiden, das Hauptgewicht muss aber auch hier die Durchschnittsnote des Reifezeugnisses haben. Daneben können Noten in bestimmten Leistungskursen, Berufserfahrung oder fachbezogene Studierfähigkeitstests eine Rolle spielen. Ein mindestens 20-prozentiger Studienplatzanteil ist der Wartezeitquote vorbehalten. Hier haben diejenigen Bewerberinnen und Bewerber die besten Zulassungschancen, deren Schulabschluss am längsten zurückliegt. Um in dieser Quote zum Zuge zu kommen, muss man sich nicht regelmäßig beworben haben; an deutschen Hochschulen studierte Semester werden jedoch von der Wartezeit abgezogen.
An welche Adresse Sie Ihre Studienplatzbewerbung schicken müssen, erfahren Sie auf den Webseiten der einzelnen Hochschulen. Für das Wintersemester 2012/13 ist geplant, einen Teil der Studienplatzbewerbungen über die bundesweit tätige Stiftung für Hochschulzulassung abzuwickeln, um frühzeitig Studienplatzangebote unterbreiten zu können. Ob der Terminplan eingehalten werden kann und welche Hochschulen sich am Verfahren der Stiftung für Hochschulzulassung beteiligen, wird sich erst im Frühjahr 2012 entscheiden – die Webseite der Stiftung liefert dazu alle nötigen Informationen.
Besondere Zugangsvoraussetzungen
Neben Reifezeugnis und Numerus clausus sind bei einigen Studiengängen besondere fachspezifische Zugangsvoraussetzungen zu berücksichtigen. Die Universitäten verlangen bei fremdsprachenbezogenen Studiengängen oft ein Mindestniveau sprachlicher Vorkenntnisse, das per Schulzeugnis, Testergebnis oder durch eine spezielle universitäre Sprachprüfung nachgewiesen werden muss. Die Zulassung für künstlerische oder sportbezogene Studiengänge setzt meist eine entsprechende Begabungs- oder Eignungsprüfung voraus.
Für den Zugang zu einigen grundständigen Studiengängen ist auch Berufspraxis von Bedeutung. Vor allem die Fachhochschulen setzen für manche Studiengänge ein Vorpraktikum, in seltenen Fällen sogar einen studienrelevanten Berufsabschluss voraus. Eine Besonderheit stellen die dualen Studiengänge der Fachhochschulen dar, die Studium und Berufsausbildung verbinden: Zugelassen werden nur Bewerberinnen und Bewerber mit einem betrieblichen Ausbildungsvertrag, die ihre Ausbildung parallel zum Studium
absolvieren.
Da im Jahr 2012 in Berlin und Brandenburg ein doppelter Abiturjahrgang die Schulen verlässt, machen sich sicher viele von Ihnen Sorgen um Ihren Studienplatz. Zumindest teilweise kann aber Entwarnung gegeben werden: So bedeutet der doppelte Abiturjahrgang nicht, dass plötzlich doppelt so viele Schülerinnen und Schüler wie im Vorjahr an die Hochschultüren klopfen, denn besonders in Brandenburg macht sich der „Geburtenknick“ zu Beginn der neunziger Jahre inzwischen deutlich bemerkbar. Zudem hat es politische Anstrengungen gegeben, die Zahl der Studienplätze insbesondere an den Fachhochschulen deutlich zu erhöhen. Absehbar ist aber, dass es vor allem in besonders beliebten Fächern wie in jedem Jahr weit mehr Bewerbungen als Studienplätze geben wird. Mit dem doppelten Abiturjahrgang hat das jedoch gar nichts zu tun. Um Ihre Studienplatzchancen zu optimieren, sollten Sie sich deshalb nicht nur an einer Hochschule bewerben, sondern Ihre Bewerbungen auch überregional streuen. Fächer, die in unserer Region hart zulassungsbeschränkt sind, können an Hochschulen anderer Bundesländer mit etwas Glück sogar zulassungsfrei sein.
Kein Studium ist völlig kostenlos – das gilt, obwohl die öffentlichen Hochschulen in Berlin und Brandenburg für grundständige Studiengänge keine Studiengebühren verlangen. Alle Studierenden öffentlicher Hochschulen müssen für jedes Semester im Voraus die so genannten Semestergebühren und -beiträge überweisen, die von Hochschule zu Hochschule variieren und derzeit bis zu ca. 350 Euro pro Halbjahr betragen können. In dieser Summe sind eine Verwaltungsgebühr, die gesetzlich vorgesehenen Beiträge zur Studierendenschaft und zum örtlichen Studentenwerk sowie meist auch das Semesterticket enthalten. Mit einem Semesterticket, das oft mit dem Studierendenausweis identisch ist, können Berliner Studierende auf allen Linien des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg im Tarifbereich ABC ohne zusätzliche Kosten fahren. Brandenburger Semestertickets gelten sogar in ganz Brandenburg und in Berlin.
Wenn Sie einen Studienplatz bekommen haben, sind die Orientierungs- und Einführungsveranstaltungen, die in fast allen Fächern zu Semesterbeginn stattfinden, für Sie absolute Pflichttermine. Wer diese meist mehrtägigen Veranstaltungen versäumt, gerät leicht ins Hintertreffen, denn hier werden alle wichtigen Informationen zum Studienplan, zur Kursbelegung und zur Bibliotheksnutzung vermittelt. Informieren Sie sich also rechtzeitig, wann und wo die Einführungstage Ihres Studiengangs stattfinden. Um den Studienbeginn zu erleichtern, bieten einige Hochschulen schon weit vor dem eigentlichen Vorlesungsbeginn Brücken- oder Vorkurse an, meist im Fach Mathematik. Wenn für Ihr Fach solche Kurse angeboten werden, sollten Sie sie unbedingt besuchen.





