Studiengänge zum Steuerberater

Wer Steuerberater werden will, legt mit dem Studium die Grundlage für das spätere Steuerberaterexamen. Infrage kommen Bachelor- und Masterstudiengänge, die Steuern, Recht und Rechnungswesen verbinden. In Berlin und Brandenburg gibt es dafür unter anderem ein duales Studium mit Schwerpunkt Steuern an der HWR Berlin und das Studium für die Steuerverwaltung an der Fachhochschule für Finanzen in Königs Wusterhausen.

Berufsziel Steuerberater und seine Anforderungen

Der übliche Einstieg ist ein Studium in BWL, Jura oder Wirtschaftsrecht. Wer diesen Weg wählt, sollte genau arbeiten und gern mit Zahlen umgehen.

Um Steuerberater zu werden, braucht man nach dem Studium eine Praxiszeit. Nach § 36 Steuerberatungsgesetz sind bei einem wirtschafts- oder rechtswissenschaftlichen Studium mit einer Regelstudienzeit unter vier Jahren (etwa einem sechssemestrigen Bachelor) drei Jahre Praxis nötig, bei mindestens vier Jahren (etwa Bachelor plus Master) zwei Jahre. Wer statt eines Studiums eine kaufmännische Ausbildung wie die zum Steuerfachangestellten gemacht hat, braucht acht Jahre, mit der Prüfung zum Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter sechs Jahre (Stand 2026). Weil Steuerberater eng mit Mandanten arbeiten, gehören Serviceorientierung und Kontaktfreude zum Beruf.

Für die Bestellung zählen außerdem geordnete wirtschaftliche Verhältnisse und strafrechtliche Unbescholtenheit. Zuständig für Zulassung, Prüfung und Bestellung ist die Steuerberaterkammer, in deren Bezirk man bei Antragstellung überwiegend arbeitet oder, ohne Beschäftigung, wohnt. In Berlin ist das die Steuerberaterkammer Berlin.

  1. Sorgfältige Arbeitsweise und Freude an Zahlen
  2. Fachwissen in Recht und Wirtschaft
  3. Teamfähigkeit und Serviceorientierung
Voraussetzung Erforderliche Praxiszeit
Kaufmännische Ausbildung (z. B. Steuerfachangestellter) 8 Jahre (6 Jahre mit Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter)
Studium mit Regelstudienzeit unter 4 Jahren (z. B. Bachelor) 3 Jahre
Studium mit Regelstudienzeit ab 4 Jahren (z. B. Bachelor und Master) 2 Jahre

Steuerstudium in Berlin und Brandenburg

Ein Studium mit Schwerpunkt Steuern vermittelt die gesetzlichen Grundlagen und übt an praktischen Aufgaben den Umgang mit Bilanzen und Abgabenregelungen.

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin bietet den dualen Bachelor „BWL/Steuern und Prüfungswesen“ an. Er dauert sechs Semester, umfasst 210 ECTS und schließt mit dem Bachelor of Arts ab. Studium und Praxis wechseln sich alle drei Monate ab. Praxispartner kann jede in Deutschland zugelassene Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungskanzlei sein; sie wählt die Bewerber aus und schließt mit ihnen den Studienvertrag.

Wer in die Steuerverwaltung will, studiert an der Fachhochschule für Finanzen des Landes Brandenburg in Königs Wusterhausen. Das dreijährige duale Studium zum Diplom-Finanzwirt besteht aus 21 Monaten Theorie an der Hochschule und 15 Monaten Praxis in Ausbildungsfinanzämtern. Es bildet für die Finanzverwaltungen von Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt aus. Mehr dazu steht im Beitrag zur Ausbildung bei der Steuerverwaltung in Berlin.

Wichtige Themen im Steuerrecht-Studium

Auf dem Lehrplan stehen Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer, dazu Abgabenordnung, BWL-Grundlagen und Rechnungslegung. In höheren Semestern kommen Themen wie Prüfungswesen, Konzernrechnungslegung und Umwandlungsrecht hinzu. Wie solche Module aussehen können, zeigt das Beispiel eines Studiengangs:

Studium
Bild: mit KI erstellt (Symbolbild)
Modul Inhalte Ziel
Steuern II Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung Fristen sicher berechnen
Steuern III Umsatzsteuer, Grundsteuer Umsatzsteuer- und Grundsteuerfälle lösen
Steuern IV Umwandlungssteuerrecht Fusionen und Spaltungen beurteilen
Recht II Insolvenzgründe und Gesellschaftsrecht Praxisfälle rechtlich bewerten

Bachelor-Programme in Steuerrecht

Der Bachelor ist für angehende Steuerberater der erste Abschluss. Module in Betriebswirtschaft und Steuerlehre bauen das Grundwissen auf, Projekte und Praxisphasen im Unternehmen zeigen den Berufsalltag. Wer sich weiter spezialisieren will, schließt einen Master an.

Typische Inhalte eines Bachelor-Studiums

Studierende lernen:

  • Grundlagen in BWL und Rechnungswesen
  • Steuer- und Wirtschaftsrecht
  • Kommunikation und Gesprächsführung
  • Wirtschaftsenglisch für den Berufsalltag

Dauer und Aufbau

Ein Bachelor umfasst 180 bis 210 ECTS und dauert meist sechs bis sieben Semester. Duale Studiengänge können länger dauern oder, wie an der HWR Berlin, in sechs Semestern mehr Leistungspunkte vergeben, weil die Praxisphasen angerechnet werden.

Studienformat Semesteranzahl ECTS
Vollzeit 6-7 180-210
Duales Studium 6-8 (HWR Berlin: 6) 180-210 (HWR Berlin: 210)

Master-Programme für angehende Steuerberater

Ein Master im Steuerrecht vertieft das Wissen aus dem Bachelor. Kommen Bachelor und Master zusammen auf eine Regelstudienzeit von mindestens vier Jahren, sinkt die geforderte Praxiszeit vor dem Steuerberaterexamen von drei auf zwei Jahre.

Universität
Bild: mit KI erstellt (Symbolbild)

Typische Abschlüsse sind der Master of Taxation oder ein LL.M. im Steuerrecht. Berufsbegleitende Master sind so aufgebaut, dass Studierende parallel in der Kanzlei arbeiten können. Manche Programme bereiten mit Klausurtrainings gezielt auf das Examen vor.

Programmdetails Information
Abschluss Master of Laws (LL.M.) oder Master of Taxation
Regelstudienzeit zum Beispiel 5 Semester berufsbegleitend
Kosten je nach Anbieter, bei berufsbegleitenden LL.M.-Programmen oft mehrere tausend Euro plus Semesterbeitrag

Studiengänge an Universitäten und Hochschulen

Universitäten legen den Schwerpunkt auf Theorie und Forschung, Fachhochschulen lehren anwendungsorientiert. Für die spätere Zulassung zum Steuerberaterexamen zählen beide Abschlüsse, sofern das Studium wirtschafts- oder rechtswissenschaftlich ausgerichtet ist; entscheidend für die Länge der Praxiszeit ist die Regelstudienzeit.

Voraussetzung für das Studium ist eine Hochschulzugangsberechtigung. Manche Studiengänge sind zulassungsbeschränkt, bei dualen Studiengängen braucht man zusätzlich einen Vertrag mit einem Praxispartner.

Programmart Verbreitung Bemerkung
Bachelor verbreitet Teilweise dual oder berufsbegleitend
Master verbreitet Regelstudienzeit häufig 4 Semester
Duales Studium verschiedene Modelle praxis- oder ausbildungsintegrierend

Online Studiengänge in Steuerrecht

Ein Fernstudium lässt sich leichter mit Beruf oder Familie vereinbaren, weil Vorlesungen aufgezeichnet sind und Seminare online stattfinden. Bei manchen Anbietern ist der Start jederzeit möglich. Monatliche Gebühren und Studiendauer unterscheiden sich je nach Programm deutlich. Wer neben dem Job studiert, braucht einen festen Wochenplan mit Lernzeiten und Puffern vor Abgaben.

Kombination von Ausbildung und Studium

Wer ein Studium mit der Ausbildung zum Steuerfachangestellten kombiniert oder dual studiert, kennt den Kanzleialltag schon vor dem Abschluss. Die Zeit im Betrieb zählt allerdings nur dann als Praxiszeit für das Examen, wenn sie die Anforderungen des § 36 Steuerberatungsgesetz erfüllt; das klärt man vorab mit der Steuerberaterkammer.

Auslandssemester

Steuerrecht ist überwiegend nationales Recht, ein Auslandssemester ist deshalb vor allem für Studierende interessant, die sich für internationales Steuerrecht oder eine Tätigkeit in international arbeitenden Kanzleien interessieren. Welche Austauschprogramme es gibt, erfährt man beim International Office der Hochschule. Für den Auslandsaufenthalt kommt Auslands-BAföG in Frage, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

Akkreditierung

Eine Akkreditierung belegt, dass ein Studiengang festgelegte Qualitätsstandards erfüllt. Gerade bei privaten Anbietern und Fernstudiengängen lohnt es sich, darauf zu achten.

Bedeutung von Praxiserfahrung und Praktika

Das Studium liefert die Theorie, Praktika in Steuerberatungskanzleien oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zeigen den Arbeitsalltag und die dort genutzte Software. Oft entstehen dabei die ersten Kontakte für den Berufseinstieg.

Pflichtpraktika nach der Studienordnung sind vom Mindestlohn ausgenommen und oft unbezahlt. Für freiwillige Praktika gilt der Mindestlohn, wenn sie länger als drei Monate dauern.

Aspekt Fakt
Pflichtpraktikum kein Anspruch auf Mindestlohn, häufig unbezahlt
Freiwilliges Praktikum bis 3 Monate Vergütung nach Vereinbarung
Freiwilliges Praktikum über 3 Monate gesetzlicher Mindestlohn
Hauptziel Kanzleialltag und Fachsoftware kennenlernen

Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten

Staatliche Hochschulen in Berlin und Brandenburg erheben im Erststudium keine Studiengebühren, fällig ist der Semesterbeitrag. Private Hochschulen und berufsbegleitende Master kosten dagegen Gebühren. Im dualen Studium zahlt der Praxispartner eine Vergütung.

Zur Finanzierung kommen BAföG, Stipendien von Stiftungen und Hochschulen sowie ein Studienkredit in Frage; bei Krediten lohnt der Vergleich der Konditionen. Viele Studierende arbeiten nebenbei in Teilzeit in Steuerkanzleien, das bringt Geld und Praxis.

Berufliche Perspektiven nach dem Studienabschluss

Absolventen arbeiten in Kanzleien, in den Steuerabteilungen von Unternehmen, in der Finanzverwaltung und in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Gefragt sind sicherer Umgang mit Fachsoftware und das Verständnis komplexer Gesetze.

Selbstständig als Steuerberater arbeiten darf nur, wer nach Praxiszeit und bestandenem Examen bestellt ist. Bis dahin arbeiten Absolventen angestellt, etwa als Steuerassistent oder Sachbearbeiter.

Arbeitsumfeld Mögliche Aufgaben
Steuerkanzlei Klientenberatung, Steuererklärungen, Finanzplanung
Unternehmen Interne Steuerabteilung, Compliance, Budgetkontrolle
Behörden Prüfungen, Verwaltung, Rechtliche Begutachtung
Wirtschaftsprüfung Abschlussprüfungen, Risikoanalyse, Unternehmensberatung

Tipps zur Vorbereitung auf das Steuerberater-Examen

Die schriftliche Prüfung findet im Oktober statt: drei Klausuren an drei Tagen, jede sechs Stunden lang. In Berlin wird sie ab 2027 ausschließlich digital geschrieben. Den Zulassungsantrag stellt man über das bundesweite Antragsportal der Steuerberaterkammern; nach § 39 Steuerberatungsgesetz kostet der Antrag auf Zulassung 200 Euro, die Prüfung selbst 1.000 Euro.

Die Durchfallquote ist hoch, viele Kandidaten bereiten sich neben einer vollen Arbeitswoche vor. Mit dem Lernen beginnen viele 12 bis 18 Monate vorher. Auf die schriftliche folgt die mündliche Prüfung mit einem Kurzvortrag und mehreren Prüfungsabschnitten. Bestanden hat, wer insgesamt eine Note von 4,15 oder besser erreicht.

Repetitorien und Prüfungskurse

Private Anbieter haben Repetitorien und Crashkurse im Programm, die sich auf Klausurtechnik und Theorie konzentrieren. Berufsbegleitende Kurse starten oft ein Jahr vor der Klausur, Hauptkurse in Vollzeit dauern meist acht bis 15 Wochen. Regelmäßige Probeklausuren mit Nachbereitung gehören in allen Modellen dazu.

  1. Lernstart: 12 bis 18 Monate vor der Klausur
  2. Hauptkurs in Vollzeit oder Teilzeitblöcken
  3. Regelmäßige Probeklausuren und Nachbereitung
  4. Gezielte Prüfungssimulation im letzten Monat
Vorbereitungsmodell Zeitspanne Unterrichtsform Besonderheit
Berufsbegleitend 12–18 Monate Wochenendkurse Fortlaufende Praxis
Vollzeit 8–15 Wochen Tageskurse Intensive Betreuung
Kombiniert Bis zu 2 Jahre Blockunterricht + Samstage Flexibles Modell

Aufstiegschancen und Spezialisierung im Steuerrecht

Nach einigen Berufsjahren können sich Steuerberater auf bestimmte Gebiete spezialisieren.

Hochschule
Bild: mit KI erstellt (Symbolbild)

Fachliche Vertiefungen im Steuerwesen

Steuerberater können Fachberater-Titel erwerben, etwa für internationales Steuerrecht. Auch Gebiete wie Erbschaft- und Umsatzsteuer verlangen vertieftes Wissen, das große Unternehmen und Kanzleien suchen.

Wirtschaftsprüfung oder Steuerberatungsgesellschaft

In Wirtschaftsprüfungsgesellschaften arbeiten Steuerberater an großen Mandaten und internationalen Projekten. Wer selbst prüfen will, legt zusätzlich das Wirtschaftsprüferexamen ab.

Spezialisierung Vorteil
Internationales Steuerrecht Grenzüberschreitende Mandate
Fachberater-Titel Nachgewiesene Spezialkenntnisse in einem Gebiet
Wirtschaftsprüfung Übernahme großer Audit- und Beratungsprojekte

Weiterbildung nach dem Berufseinstieg

Gesetze und Software im Steuerwesen ändern sich laufend. Steuerberater sind nach dem Steuerberatungsgesetz verpflichtet, sich fortzubilden. In Berlin bieten die Steuerberaterkammer Berlin und private Anbieter dafür Seminare an, E-Learning-Angebote stellen Lernmaterial zeitlich flexibel bereit.

  • Aktuelle Kenntnisse im Steuerrecht
  • Erwerb neuer Qualifikationen
  • Anpassung an die Digitalisierung
Weiterbildungsform Vorteile
Seminare Intensive Einblicke in kurzer Zeit
E-Learning Flexible Zeiteinteilung und ortsunabhängiger Zugriff
Konferenzen Netzwerk erweitern und Praxiserfahrungen teilen

Fazit

Der Weg zum Steuerberater führt meist über ein Studium in BWL, Jura oder mit Schwerpunkt Steuern, in Berlin etwa dual an der HWR. Kommen Bachelor und Master zusammen auf vier Jahre Regelstudienzeit, verkürzt sich die Praxiszeit vor dem Examen auf zwei Jahre. Wer sich entschieden hat, sollte die Prüfungsvorbereitung früh einplanen und das Lernen neben dem Beruf gut organisieren.

Quellenverweise